Musizieren in der Wohnung - das Sandkorn im nachbarschaftlichen Getriebe?

Ein akustisches Instrument so zu spielen, dass es in den Nachbarwohnungen nur noch so zu hören ist, wie die allgemeinen für dieses Haus typischen Wohngeräuschen des täglichen Lebens, ist nur bedingt möglich.

Das Problem ist primär der hohe Schallleistungspegel der (akustischen) Musikinstrumente. Bei Blechblasinstrumenten wie der Posaune beispielsweise liegt der A-bewertete Schalldruckpegel bei rund 95 dBA (entfernungs- und raumabhängig). Der von einer Posaune abgestrahlte Schall bewirkt somit eine deutliche Anhebung des üblichen Schalldruckpegels im Wohnraum (Senderaum).

Infolgedessen tritt auch im Empfangsraum, beispielweise im unmittelbar angrenzenden Wohnraum des Nachbarn, eine Erhöhung des gewöhnlichen Schalldruckpegels (Zimmerlautstärke) um mindestens 3 dB ein, so dass das Spielen einer Posaune, stellvertretend für viele akustische Musikinstrumente, als deutlich wahrnehmbares Störgeräusch bezeichnet werden darf.

Somit wird die Schwelle für die Zimmerlautstärke, die nach dem Urteil des Landgerichts Kleve tagsüber bei einem Wert von 40 dB und nachts ein Wert von 30 dB liegt, in den betroffenen Räumen (erheblich) überschritten. Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass eine Definition der Zimmerlautstärke anhand von im Empfangsraum festgeschriebenen Messwerte nicht zielführend ist, da die schallschutztechnischen Gegebenheiten von Gebäude zu Gebäude teils stark variieren.

Ungeachtet der Überschreitung hat der Nachbar nach Auffassung des Landgerichts Kleve die mit dem Musizieren verbundenen Geräusche als eine sozialadäquate Beeinträchtigung im Sinne des § 906 BGB außerhalb der Ruhezeiten grundsätzlich hinzunehmen, da privat betriebene Hausmusik von jeher in Wohnvierteln üblich und daher grundsätzlich als ortsüblich zu dulden ist. Der in einer Wohnung übende Musiker ist aber angehalten, schalldämpfende Maßnahmen beispielsweise in Form einer schalldämpfenden Vorrichtung zu ergreifen, falls damit ein sinnvolles Spielen mit dem Instrument noch möglich ist (ggf. Beweislast).

Zu dem Thema "Musizieren in Mehrparteienhäuser" gibt es bereits einige Gerichtsurteile, in denen Angaben zur zulässigen Spieldauer diverser Musikinstrumente gemacht wurden. Einige Musikinstrumente mit Angabe ihres ungefähren A-bewerteten Schalldruckpegels (entfernungs- und raumabhängig) und deren zulässige tägliche Spieldauer sind nachfolgend genannt:

Die täglich erlaubte Spieldauer eines Musikinstruments ist primär an deren Schallintensität gekoppelt. Die Qualität der Musikdarbietung spielt dabei keine Rolle.

Auch auf Mietrechts-Ebene können Regelungen zum Thema "Häusliches Musizieren" beispielsweise im Mietvertrag oder in der Hausordnung vereinbart werden. Ist darin vorgesehen, dass lediglich zwei Stunden pro Tag musiziert werden darf, ist diese Regelung für den Mieter erstmal bindend. Verbots-Klauseln im Mietvertrag oder in der Hausordnung, die das Spielen von Musikinstrumenten generell untersagen, sind aber unwirksam.

Abschließend ist festzuhalten, dass für eine gute Nachbarschaft stets Rücksicht auf die Bedürfnisse des Anderen genommen werden sollte. Deswegen ist es wichtig Verständnis aufzubringen, dass das Üben eines (lauten) Musikinstruments i.d.R. nur in den eigenen vier Wänden ausgeübt werden kann und lauter ist als andere häusliche Aktivitäten. Auf der anderen Seite sollte es für den Musiker neben möglich sein, Ruhezeiten einzuhalten und hinnehmbare, schallreduzierende Mittel bei häuslichen Üben einzusetzen.

Viel Spaß und Erfolg beim Üben eures Musikinstruments ... und an alle lärmbelasteten Nachbarn: Kauft euch eine Posaune! :)

Beste Grüße,

Simon

Quellen:

http://www.mieterbund.de/index.php?id=3093, Zugriff am 30.09.2016

http://www.pro-audito.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente_Dachverband/Suva_Wie_bitte.pdf, Zugriff am 30.09.2016

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